Paartherapie & Eheberatung Blog-Beitrag Ständig funkt die Exfrau dazwischen

Ständig funkt die Exfrau dazwischen

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In einer typischen Patchwork-Konstellation leidet die aktuelle Lebensgefährtin unter dem Gefühl, dass die Ex-Lebensgefährtin wichtiger sei, als sie selbst. Da der Lebensgefährte mit seiner Ex-Partnerin gemeinsame Kinder hat, ein Junge 12 Jahre und ein Mädchen 8 Jahre alt, besteht noch sehr viel Kontakt zwischen der Mutter der Kinder und dem Lebenspartner.

Ich nenne die Lebensgefährtin Anja, den Lebensgefährten Tobias und die Ex-Lebensgefährtin Yvonne.

Die Aussage von Anja war es, das die Yvonne ständig anrufen würde, weil sie Probleme hätte. Dabei ginge es nicht um die Kinder, sondern um andere Angelegenheiten. Gartenarbeiten, Probleme mit dem WLAN, Behördenanträge oder ähnliches.

Endgültig übergelaufen sei das Fass bei Anja, als sie direkt vor der Abfahrt in den Urlaub anrief und „meldete“ sie habe kein WLAN mehr und sie vermutet, dass der Router kaputt sei. Trotz ihres Protestes fuhr Tobias hin um sich das „Problem“ einmal anzusehen. Aus diesem Grund verspätete sich die Abfahrt in den Urlaub um einen halben Tag. Für Anja war der Urlaub beinahe gelaufen. Die ersten Tage konnte sie nichts genießen, da sie ständig in der Situation steckte und darüber nachdachte.

Tobias gab ihr zwar zu verstehen, dass Anja die wichtigste Person in ihrem Leben sei, er sich aber noch um die Mutter seiner Kinder kümmern müsse, weil diese schließlich durch ihn „allein gelassen“ wurde. Er hatte sich vor fünf Jahren von ihr getrennt und deshalb Schuldgefühle Yvonne gegenüber.

Anja und Tobias hatten sich erst 1,5 Jahre nach der Trennung von Tobias und Yvonne kennengelernt. Für Tobias ist es immer wieder eine schwierige Aufgabe, es allen recht zu machen. Yvonne hauptsächlich wegen der Kinder, aber den Kindern natürlich ebenfalls.
Seine Schuldgefühle gegenüber Yvonne, lassen es zu, dass Yvonne anrufen kann wann sie möchte und wegen was sie möchte. Er versuchte alles um ihr zu helfen.

Meine Arbeit besteht in diesem Fall darin, die Sichtweisen einmal auf ein Board zu bringen, um die verschiedenen Wünsche, Probleme und erlebten Situationen zu visualisieren. In diesem Moment agiere ich eher als ein Mediator.
Ich habe Tobias einmal darstellen lassen, wie er sich fühlt und er sich sieht. Insbesondere ging es mir um seine Gefühle, weshalb er es allen recht machen möchte.

Anja empfand es so, dass Yvonne zwischen den beiden stehen würde, weil sie immer wieder aktiv in die Beziehung eingreifen würde. Es gab viel Konfliktpotential und deshalb viel Streit zwischen Anja und Tobias.

In diesem Fall half ich Tobias dabei, seine Sicht auf die ehemalige Beziehung zu schärfen. Er ist in keiner Beziehung mehr mit seiner ehemaligen Partnerin und sein Handeln sorgt regelmäßig für Streit in seiner Beziehung zu Anja.
Tobias erkannte, dass Yvonne und er sehr gut zusammenarbeiteten und so als gute Eltern „funktionierten“. Er verstehe sich nun viel besser mit seiner Ex-Partnerin und es gab ihm gegenüber keine Vorwürfe wegen der Trennung.
Weil er aber von vielen anderen getrennten Vätern erlebt habe wie diese durch den Kakao gezogen wurden und ihre Kinder nicht mehr sehen durften, wolle er das nicht aufs Spiel setzen. Er hatte schlichtweg Angst, dass er seine Kinder nicht mehr sehen dürfe.

Nachdem Tobias die Sicht von Anja deutlich wurde und ich die Möglichkeit hatte, mit ihm zu reflektieren, erkannte er, dass er seine aktuelle Beziehung aufs Spiel setzt.

Es ist wichtig, dass die beiden nun zusammen sind und die Streitigkeiten beendet werden müssen. Seine Aufgaben als Vater standen zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion. Sie vereinbarten dazu „Regeln“:
Sämtliche Aufgaben, welche ihn in seiner Vaterrolle zu den Kindern betreffen, laufen ganz normal weiter, wie bisher. Wenn diese mit den Planungen von Anja und ihm Überschneidungen haben, so stimmt er dies mit ihr ab.
Ebenso gab es die Absprache, dass alles was über seine Aufgaben als Vater hinausgingen, nicht mehr wahrgenommen werden.

Tobias selbst hat sich vorgenommen, das Gespräch mit Yvonne zu suchen und dies bis in spätestens 14 Tagen erledigt zu haben.

Es ist sehr wichtig, dass es in einer Patchwork-Konstellation eine Einigkeit zwischen den aktuellen Paaren gibt. Die Absprachen untereinander sind zu priorisieren, so dass es kein Streitpotential gibt, und die aktuellen Beziehungen nicht gestört werden.

Mike Grohmann, Bielefeld, 05. Juni 2010

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